Zur Leseprobe

Prolog

„Warum Menschen fliegen können müssen“ lautet der Titel dieses Buches. Mein Verlag hätte sich einen anderen gewünscht. Vielleicht einen leichter verständlichen. Dennoch, trotz des Titels – oder vielleicht gerade deswegen – haben Sie dieses Buch gekauft. Ihn zu wählen war mir ein Anliegen, weil ich glaube, dass eine einfache, aber wichtige Botschaft darin steckt. Dabei geht es keineswegs immer um das Fliegen im engeren Sinne. Allerdings ist der tatsächliche Flug das wohl überzeugendste Bild dafür: Mensch sein heißt, an das Unerreichbare zu denken – und es manchmal wahrzumachen.
Der Traum vom Fliegen bedeutet, die Grenzen des Hier und Jetzt zu sprengen. Die eigene Angst zu überwinden. Sogar den Gesetzmäßigkeiten der Welt ein Schnippchen zu schlagen, wenigstens für einen kurzen Augenblick. Jeder Mensch kann das tun. Ich glaube sogar, dass er es tun muss, wenn er fühlen will, wie viel Lebendigkeit eigentlich in ihm steckt. Dazu muss er allerdings bereit sein, die Sicherheit der Routine aufzugeben.

Und meine eigene Rolle dabei? Heute weiß ich, dass es ein besonderes Talent von mir ist, vielleicht sogar eine Art Berufung, Menschen dazu zu bringen, Dinge zu tun, die sie nicht tun würden, wenn sie mir nicht begegnet wären. Selbst dann, wenn es ihnen vielleicht schwerfällt.

Es gibt Kritik an dem, was ich tue. Manche meinen, es sei völlig nutzlos, unproduktiv oder unnötig gefährlich, Menschen Erlebnisse zu verkaufen. Zumal, wenn es potenziell riskante Erlebnisse sind. Rennwagen fahren ist nur eines davon, Fallschirmspringen ein anderes. Oder Eisklettern. Oder…

Andere wieder sagen, ich würde Menschen einer bequem gewordenen Gesellschaft künstliche Thrills verleihen, die von den eigentlichen Problemen nur ablenken. Ich glaube nicht, dass diese Kritiker Recht haben. Die Turmspringer auf Pentecost haben lustvoll ihre Flüge erlebt und genossen, lange bevor Soziologen Begriffe wie Spaß- oder Erlebnisgesellschaft geprägt haben. Aber auch bei ihnen gibt es den Baumeister des Turmes oder die Coaches der Springer. Ich tue nichts anderes. Ich helfe Menschen dabei, für einen Moment lang aus ihren Gewohnheiten auszusteigen, damit außergewöhnliche Momente möglich werden, Momente, an die man sich erinnern kann. Immer und immer wieder. Es sind diese Momente, die in der Erinnerung aus den grauen Alltagsbildern hervorleuchten. In der Erinnerung sind sie viel länger und intensiver als ein ganzes Jahr längst vergessener Routine. Und außerdem nimmt die Erinnerung an positiv bewältigte Herausforderungen die Angst vor der Zukunft. Wer Vertrauen zu sich selbst hat, macht weder anderen Angst, noch lässt er zu, dass andere ihm Angst machen. Unsere Gesellschaft, jede Gesellschaft, braucht eigentlich noch viel mehr solche Menschen!

Das Er-Leben steht im Mittelpunkt meines Lebens. Und es steht im Mittelpunkt dieses Buches. Mein Mentor Rudolf Niehaus schrieb mir einst – als ich als junger Logistiker unter kämpfenden Milizen ein Schiff in Beirut, Libanon, entladen hatte: „Give all, take all.“ Danach lebe ich bis heute. Ich lerne und ich lehre. Dieser Kreislauf von Denken, Fühlen, Erleben ist die Grundlage für mein Handeln, und deswegen unterscheide ich auch kaum zwischen Geschäft und privat. Ich handle häufig spontan, sozusagen aus meiner Mitte heraus und die Erfahrungen und Gefühle, die dabei entstehen, wirken auf den Unternehmer Schweizer ebenso wie auf den Privatmann Schweizer.

Mir wird überall und immer wieder die gleiche Frage gestellt: „Wie war das denn damals mit dem Springen? Warum haben Sie denn immer wieder die Gefahr gesucht?“ Oder ob ich bei meinen Stunts nicht schreckliche Angst gehabt habe. Diese Fragen stören mich nicht, denn sie zeigen mir, dass die Menschen sich für mein Leben interessieren. Dieses Interesse hat mich dazu veranlasst, einiges aus meinem Leben aufzuschreiben. Dadurch habe ich mich sehr intensiv mit meinen Entscheidungen und Taten auseinandergesetzt. Das war sehr bewegend, denn immer wieder bin ich in meiner Erinnerung auf Situationen gestoßen, die ich damals eben einfach bewältigt habe. Ohne groß nachzudenken. Heute, im Rückblick, kann ich viel besser einschätzen, was damals tatsächlich geschehen ist und wie diese oder jene Situation in mein Lebenspuzzle passt. Manchmal war es ein schmerzhafter Prozess, meine Erinnerungen zu durchsuchen und manches davon aufzuschreiben. Denn natürlich gibt es auch in meinem Leben Ereignisse, die jahrelang als dunkle, wunde Punkte ganz tief in meiner Seele vergraben waren. Einige davon haben mich belastet, ohne dass ich es überhaupt bemerkt hätte. Bis ich begann, dieses Buch zu schreiben.

Wer sich erinnert, lebt zweimal. Insofern ist dieses Buch ein Er-Leben der besonderen Art: Es zu schreiben war ein bewegendes Erlebnis auch für mich. Und es zu lesen ist vielleicht – hoffentlich – ein Erlebnis für alle diejenigen, die etwas übers Machen, über Zuversicht und entschlossenes Handeln – nicht über Angstlosigkeit – wissen wollen. Darüber, warum Menschen fliegen können, warum sie fliegen können müssen!

Ich wünsche Ihnen intensive Momente bei der Lektüre dieses Buches. Aber vergessen Sie nicht: Es gibt Dinge, die kann man nicht beschreiben. Die muss man machen.

Jochen Schweizer

——–

Die Autobiographie von Jochen Schweizer jetzt bestellen!

Stimmen zum Buch

Ein Buch voller Leidenschaft: Mut, Freiheitsdrang, Abenteuerlust, Krisen, Neuanfänge. Wenn einer keine Angst davor hat, seine Grenzen immer ein wenig mehr hinauszuschieben, ist es Jochen. Gratulation!
Willy Bogner
Mehr

Subscribe

  • Facebook
  • Google+
  • Twitter
  • YouTube