Eine begeisterte Leserin

Manche reden von Zufall, Schicksal, universeller Anziehungskraft oder ähnlichem, in Situationen, wie jener, die mich zu Jochens Autobiographie führten. Innerhalb eines Tages las ich von seinen Abenteuern, über sich hinaus zu wachsen. Literarisch ist es sicherlich kein Meisterwerk- das habe ich auch nicht erwartet. Ich glaubte nicht einmal, allzu viel neues über Person und Unternehmen Jochen Schweizer zu erfahren. Denn diese Marke ist mir nicht erst seit McDonalds Monopoly bekannt.
Ich war vor ewigen Zeiten Mitglied im Bungee Pro-Club, hatte 2003 nach dem Unfall noch Bungee-Tickets und beobachte nicht nur deshalb immer wieder die Aktivitäten, News und Medienberichte von und über Jochen Schweizer. Wie bei jedem Unglück hagelte es danach reißerische Meldungen, die man besonders im Ruhrgebiet zu lesen bekam. Doch wie alle Schlagzeilen, schrumpften auch diese zunehmend. Ich hätte mir damals durchaus eine Aufklärung des Falles gewünscht, würde gerne wissen, warum es passiert ist. Doch auf so manches Warum scheint es keine Antwort zu geben. Nach der Lektüre dieser Autobiographie fällt es mir wesentlich leichter, dies zu akzeptieren. Auch habe ich gar nicht damit gerechnet, dieses Thema im Buch zu finden und war dementsprechend überrascht, dass der Unfall ein eigenes Kapitel bildet.
Erstmals habe ich in der Autobiographieauch außerhalb von kurzen Interviews Jochens Gedankengänge darüber erfahren. Das Vertrauen in die Sprunganlagen kann ich dabei gut nachvollziehen. Ich hatte mich bereits 2001 in Dortmund sehr sicher gefühlt und auch bei meinem letzten Sprung vor vielen Jahren in Wien keinerlei Sicherheitsbedenken.

Das Buch ist vielfältig. Und wie Jochen selbst schreibt, gibt es kaum eine Abgrenzung zwischen Beruflichem und Privatem. Nicht selten scheint beides miteinander zu verschwimmen. Aus einem Hobby entwickelt sich eine Leidenschaft, die zur eigenen Firma führt und diese wiederum scheint das Leben dieses interessanten Mannes auszumachen.
So manche Passagen, zum Beispiel über Kajaking, erweckten bei mir wenig Interesse. Dafür freute ich mich umso mehr, an anderer Stelle auch von Taucherlebnissen zu lesen, mit denen ich gar nicht gerechnet habe. Und es folgte die Erkenntnis, dass hinter dem manchmal unnahbar wirkenden Unternehmer weit mehr steckt, wobei mir viele Ansichten sehr sympathisch sind. Und man erkennt einen Papa, auf den seine Kinder stolz sein können – auf wenn sie nicht mit ihm ihre Nachmittage vor dem Fernseher verbrachten! Stellenweise hätte ich mir etwas tiefer gehende Informationen gewünscht. Zugleich respektiere ich, dass nicht jeder Buchkonsument einen Anspruch erwirbt, sämtliche Firmeninterna und das komplette Privatleben des Autors präsentiert zu bekommen.

Während ich anfangs beim Lesen einen stärkeren Bezug zum Titel „Warum Menschen fliegen können müssen“ vermisste und irgendwie auf eine abschließende Antwort, jenseits einer Diskussion im Pfarrheim über heilige Momente, wartete, spüre ich es jetzt umso mehr. Angst-Lust! „Es ist ein wahnsinniges Gefühl. Ich will nicht, dass es aufhört. Wenn ich so sterbe- auch gut. Denn ich habe das ganz starke Gefühl angekommen zu sein.“ heißt es im Buch und ich kann diese Worte sehr gut nachvollziehen, auch wenn ich in absehbarer Zeit nicht aus einem Ballon springen werde. Doch je mehr Zeilen ich las, umso stärker wurde mein Wunsch mich wieder einmal fallen zu lassen. Wenn ich es denn (noch) kann. Doch genau darum geht es schließlich (nicht nur beim Bungee) – um erfolgreiche Überwindung der eigenen Angst.

Obwohl Jochens Schweizers Welt so weit von meinem eigenen Leben entfernt ist, zeigen seine Worte dennoch im Nachhinein eine starke Wirkung auf mich- die ich so während des Lesens gar nicht erwartete. Loslassen lernen ist so ein Thema, was mich nun beschäftigt. Und ich denke über meine Wünsche und Ziele nach und mein Bewusstsein dafür wächst. Andere Autoren müssen Selbsthilfebücher verfassen, um solche Wirkungen zu erzielen.

In diesem Sinne
Danke schön

Nadine K.

Stimmen zum Buch

Das Abenteuer eines einzigartigen und sehr mutigens Lebens beschreibt dieses offene und persönliche Buch fesselnder als viele Romane.
Dr. Florian Langenscheidt
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